Rechtliche Anforderungen an Digitale Strategien für Fotografen

Die Corona-Krise hat uns aktuell alle fest im Griff und auch wenn es den/die eine(n) mehr und den/die andere(n) weniger hart erwischt hat, sitzen wir doch alle im selben Boot. Neben den Sofortmaßnahmen, wie dem Einsparen von Betriebsausgaben und der Beantragung von Fördermitteln, besteht auch die Möglichkeit, sich der Einnahmenseite zu widmen.

 

Einige unserer Mandanten haben dies bereits vor der Krise getan oder setzen auch aktuell derartige Strategien um. 

Auch wenn die Rettung der eigenen Existenz auf wöchentlicher oder vielleicht sogar täglicher Basis momentan klar Vorrang vor langfristigen Strategien hat, so wird es ein Leben nach Corona für uns alle geben. Und wenn die Krise uns eines gezeigt hat, dann, dass in einer solchen Situation digitale Komponenten im eigenen Geschäft nicht fehlen sollten.  

Egal, ob die Digitalisierung nun sofort und mit der Brechstange funktionieren muss oder ob sie erst in einigen Monaten umgesetzt wird, werden wir meiner Meinung nach nicht umhinkommen, uns diesem Thema zu widmen. Und damit dabei die wichtigsten rechtlichen Aspekte nicht unter die Räder kommen, möchte ich die für mich Wichtigsten rechtlichen Themen in diesem Artikel kurz anschneiden. 

Datenschutz 

Das erste rechtliche Thema, das einem in den Sinn kommt, wenn man an Digitalisierung denkt, ist mit Sicherheit der Datenschutz. Seit dem Inkrafttreten der DSGVO ist dieses Thema ohnehin beinahe omnipräsent gewesen, auch wenn ich sagen muss, dass ich den Eindruck habe, es sich mittlerweile wieder ein wenig beruhigt hat. So wenig ich davon halte, mit dem Thema Datenschutz Angstgefühle hervorzurufen, so muss es dennoch zwingend bei allen digitalen Themen beachtet werden.  

Wichtig ist hier, dass Vorlagen, die man sich für das nicht-digitale Business erstellt hat, für eine digitale Strategie nicht mehr passen werden. So ist beispielsweise eine Datenschutzbelehrung darüber, wie personenbezogene Kundendaten im Rahmen eines herkömmlichen Shootings verarbeitet werden (Auftragsabwicklung, Abrechnung, Lieferung der Bilder über eine Onlinegalerie, etc.) wenig geeignet für digitale Fotokurse, bei denen Kundendaten beispielsweise schon auf der Anmeldeseite angegeben und von dort aus weiterverarbeitet werden.  

Auch der Einsatz von digitalen Tools meist im Ausland ansässiger Anbieter war bislang häufig kein Thema, muss aber nun berücksichtigt werden. So ist es in der Regel erforderlich, dass man mit Dienstleistern, welchen man die personenbezogenen Daten seiner Kunden weitergibt, Auftragsverarbeitungs-Verträge (AVV) abschließt oder sicherstellt, dass diese beispielsweise unter das „EU-US Privacy Shield“ fallen, um seinem Kunden auch bei der Nutzung von datenverarbeitenden Diensten das erforderliche Maß an Schutz zu gewährleisten.  

Je mehr Tools man nutzt, desto mehr sollte man auf diese Faktoren achten. 

Anpassung von Verträgen und Leistungsbeschreibungen 

Nicht nur der Datenschutz muss mit der Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells Schritt halten. Es liegt denke ich auf der Hand, dass ein Shootingvertrag eben für ein Fotoshooting und nicht für andere Geschäftsmodelle geeignet ist. Bietet ein Fotograf nun beispielsweise der Marketingabteilung eines Unternehmenskunden an, den Mitarbeitern beizubringen, wie man einfach aber wirkungsvoll gute Handybilder für die eigene Social Media Präsenz erstellen kann, werden viele Klauseln aus dem ursprünglichen Vertrag nicht mehr passen. Gerade das Thema der Leistungsbeschreibung ist hier zu beachten. In dem genannten Beispiel wäre z.B. die Erstellung von Fotos ein Werkvertrag, das Schulen der Mitarbeiter ein Dienstleistungsvertrag. Die beiden Tätigkeiten sind demnach auf völlig unterschiedliche Ergebnisse ausgerichtet. Dass ein Vertrag, der für das eine geschaffen wurde, für das andere ziemlich wertlos sein kann, liegt denke ich auf der Hand.  

Die Konsequenz soll hier allerdings nicht sein, dass nun jede(r) erst einmal zum Anwalt gehen und sich teure Verträge erstellen lassen muss, bevor der erste Schritt in Richtung eines neuen Leistungsangebotes gemacht werden kann. Was oft vergessen wird: auch das Gesetz regelt die verschiedenen Vertragstypen schon ganz ordentlich. Vielerorts zwar nicht immer zugunsten des Fotografen, aber auch ohne einen Vertrag oder angepasste AGB steht man damit zumindest nicht im rechtsfreien Raum.  

Zudem befinden wir uns aktuell in einer Situation, in der vieles angetestet wird, was vielleicht schon in wenigen Tagen oder Wochen wieder überholt ist. Vielleicht bemerkt der Fotograf in dem genannten Beispiel, dass die Mitarbeiter des Kunden gar nicht so viel Wert darauf legen, bessere Bilder für Soial Media zu machen, sondern lieber Unterstützung beim Aufbau eines zweiten Social Media Kanals haben möchten. Ein solider Vertrag für den ersten Anwendungsfall wäre hiermit schon wieder völlig wertlos und man bräuchte wieder einen neuen...  

Ich denke, dass man gerade in der Zeit, in der sich täglich neue Ideen und Geschäftsmodelle herausbilden, zwar immer ein Auge darauf haben sollte, ob das eigene Vertragswerk noch passt. Dies kann aber auch durch die Leistungsbeschreibung erfolgen, die man dem Kunden mit dem Angebot oder einer ersten Email zuschickt. Auch dies ist Vertragsbestandteil, bietet deutlich mehr Flexibilität und schont zudem den ohnehin schon geschundenen Geldbeutel. 

Nutzungsrechte 

Ein weiterer und mir besonders wichtiger Vertragsbestandteil in klassischen Fotografenverträgen ist die Einräumung der Nutzungsrechte an den Kunden. Da dies (nicht nur) meiner Meinung nach ein wesentlicher Einkommensbestandteil sein kann und sollte, sollte mach auch bei der Schaffung neuer und digitaler Einkommensmodelle auf die Nutzungsrechte ein Auge haben.  

Habe ich zum Beispiel vorher Fotos für das Marketing einer großen Firma erstellt und biete nun die Erstellung von Prints für Endverbraucher an, liegt es auf der Hand, dass ich mir Gedanken über die Nutzungsrechte machen muss und diese nicht einfach aus meinen alten Angeboten übernehmen kann. Daher sollte man sich auch ein wenig Zeit nehmen, um die Nutzungsrechte, die man seinen Kunden für die einzelnen Geschäftsmodelle einräumt, zu diesem Modell passen. Eine Unterstützung bietet hier der kostenfreie Nutzungsrechtegenerator auf https://rights-managed.de/, den ich zusammen mit dem Fotografen Gunnar Menzel erstellt habe.   

Fazit 

Auch wenn das Recht allgegenwärtig und sicherlich wichtig ist, so ist dieser Artikel kein Aufruf dazu, sich zunächst in allen Belangen eines neuen Konzepts juristisch beraten zu lassen. Das wäre denke ich in den meisten Fällen momentan übertrieben. Keineswegs übertrieben ist es aber, sich bei jeder neuen Geschäftsidee zumindest ein paar Gedanken dazu zu machen, ob man die rechtlichen Kernpunkte aus diesem Artikel zumindest rudimentär auf dem Schirm hat, damit aus einer neuen Geschäftsidee nicht im Handumdrehen eine Haftungsfalle wird. 

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Erschienen in ProfiFoto

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