5 Dinge, die man beachten sollte, wenn man einen Fotoauftrag vergibt 

Egal, ob die anstehende Produktion einfach zu umfangreich ist und man einen Mann oder eine Frau mehr benötigt, oder ob man für einen Auftrag keine Zeit hat, es ergeben sich manchmal Situationen, in denen man Fotos für seinen eigenen Auftraggeber durch einen Dritten erstellen lässt.

Auch wenn es Aus der Sicht des Kunden rechtlich gesehen keinen großen Unterschied macht, ob man selbst oder ein Dritter den Auslöser drückt, gibt es aus der Erfahrung heraus doch den ein oder anderen Punkt, der in so einer Konstellation schneller schiefgeht, als würde man den Auftrag selbst fotografieren. Der Grund liegt darin, dass die Klärung der zu erstellenden Arbeit wie auch der einzuholenden und auf den Kunden zu übertragenden Rechte über eine „Ecke“ mehr erfolgt, als würden Fotograf und Kunde unmittelbar zusammenarbeiten. Das führt dazu, dass die Position, in der man sich bei der Vergabe eines Fotoauftrages wiederfindet, einige Risiken mehr birgt, die ich nachfolgend kurz aufzeigen möchte.  

1. Stellung des Fotografen 

Sobald man Inhalte (egal ob es sich um Fotos oder andere urheberrechtlich geschützte Inhalte handelt) einkauft, verlässt man die gewohnte Position des Urhebers und nimmt die des Lizenznehmers bzw. Lizenzvermittlers ein. Gerade, wenn man diese Rolle nicht all zu häufig einnimmt, sollte man sich einige Dinge vor Augen führen, um keine Fehler zu machen.  

Der Fotograf ist nach § 7 UrhG immer der Urheber eines von ihm erstellten Fotos. Er hat damit eine gesetzliche Position, die mit der Erstellung des Bildes untrennbar damit verbunden ist. Die Stellung des Urhebers kann nachträglich nicht übertragen werden und gibt dem Fotografen die stärkste nur denkbare Rechtsposition. Dies sollte man auch aus Auftraggeber beherzigen und einige der Rechte, die mit der Urheberstellung verbunden sind, beachten. Dazu gehören insbesondere: 

  • das Recht als Urheber genannt zu werden 
  • das Recht Bearbeitungen der erstellten Werke zu verbieten 
  • das Recht Nutzungsrechte zu übertragen und unlizenzierte Nutzungen rechtlich nachzuverfolgen 

All diese Themen kann man vertraglich mit dem Fotografen regeln. Besonderes Augenmerk sollte hier aber auf dem Zeitpunkt dafür liegen. Ich empfehle, den Fotografen frühestmöglich in die Klärung der Rechtethematik einzubeziehen, da es im Nachhinein in der Praxis häufig schwierig wird, Rechte nachzuerwerben 

2. Geschuldete Leistung 

Dinge, die schon dann, wenn ich selbst fotografiere, regelmäßig zu Problemen führen, sollten gerade dann, wenn ich nicht selbst vor Ort bin, wenn die Bilder entstehen, im Vorfeld besonders genau geklärt werden.  

Man sollte also einerseits mit dem eigenen Kunden sehr genau abklären, was er sich von den beauftragten Bilder erwartet. Exakt dies sollte man dann an den beauftragten Fotografen weitergeben und auf beiden Seiten noch einmal absolut sicherstellen, dass es keine Unklarheiten gibt. Gerade in der Position als Mittelsmann zwischen Kunde und Fotograf können „Stille-Post-Verluste“ teuer werdenDem Briefing sollte daher in dieser Konstellation besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.  

3. Nutzungsrechte 

Da man selbst unter Umständen nach Abwicklung des Auftrages keinen uneingeschränkten Zugriff auf den seinerzeit beauftragten Fotografen mehr hat, sollte man sich sicher sein, dass man bereits bei Vertragsschluss all die Nutzungsrechte einholt, die für die Verwendung durch den eigenen Kunden wichtig sind. Kommt es hier im Nachhinein zu einem Ungleichgewicht, steht schnell eine mögliche Urheberrechtsverletzung und damit die Inanspruchnahme des Kunden durch den Fotografen im Raum. Ein für alle Beteiligten unangenehmes Szenario. 

Geklärt werden sollte hier insbesondere die zeitliche, räumliche wie auch inhaltliche Komponente der geplanten Bildnutzung. Daneben spielt auch die Frage, ob es ein einfaches oder ausschließliches Nutzungsrecht sein soll und ob der Kunde die eingeräumten Rechte auch an Dritte weitergeben darf, regelmäßig eine wichtige Rolle.   

4. Drittrechteklärung 

Nicht nur die Nutzungsrechte am Urheberrecht sondern auch die Drittrechte sollten vernünftig geklärt werden. Schon im dem Szenario, in dem man den Foto-Auftrag selbst ausführtkommt es  regelmäßig zu Unstimmigkeiten dergestalt, als Fotografen nicht selten der Auffassung sind, dass der Kunde sich um das Einholen von Model- und Property-Release sowie anderer Genehmigungen zu kümmern hat. Der Kunde ist nicht selten der Auffassung, dass das derjenige zu erledigen hat, der die Bilder erstellt und wird häufig ebenfalls nicht tätig. Das führt zu dem Ergebnis, dass mir in der Praxis immer wieder Fälle unterkommen, bei denen sich niemand um die Klärung von Drittrechten gekümmert hat. Nicht selten sind dann etwa bei Modelrechten die Modelle im Nachhinein nicht ohne weiteres greifbar, sodass die Klärung im Nachhinein meist ungleich schwerer ist, als würde man sich von vornherein darum kümmern. 

5. Kundenschutz 

Nicht zuletzt sollte man beherzigen, ob man den oder die neu beauftragte(n) Kollegen/Kollegin daran hindern möchte, den Kunden, bei dem man sie oder ihn ins Rennen gebracht hat, demnächst als eigenen Kunden zu führen. Falls man dies vermeiden möchte, empfiehlt sich eine sogenannte Kundenschutzvereinbarung. Dabei kann man dem Auftragnehmer untersagen, künftig unmittelbar oder auch mittelbar über Dritte direkt für den Kunden zu arbeiten. Meist ist ebenfalls geregelt, dass keinerlei Kundendaten oder Informationen, die der Auftragnehmer anlässlich des Auftrages erhalten hat, heraus- oder weitergegeben werden dürfen. Falls gegen diese Versprechen verstoßen wird, kann man die Zahlung einer Vertragsstrafe vereinbaren.  

Allerdings unterliegen auch derartige Vereinbarungen bestimmten Schranken. So dürfen in der Regel keine unverhältnismäßig hohen Vertragsstrafen oder zeitlich unbefristete Laufzeiten vereinbart werden.  

Zusammengefasst erleichtert es zwar die Durchführung eines Auftrages mitunter wesentlich, wenn ich einen externen Fotografen beauftrage. Allerdings sind dabei regelmäßig Punkte zu beachten, die zumindest in dieser Konstellation nicht in der Bedeutung zum Tragen kommen, als würde ich den Job selbst fotografieren. Mit den oben genannten 5 Punkten hat man aber eine erste Checkliste und vermeidet bei deren Einhaltung einige der größten Fallstricke bei der Vergabe von Fotoaufträgen.  

---

Erschienen in ProfiFoto

---

Für Fragen rund um alle urheber- und medienrechtlichen Themen - insbesondere natürlich zum Thema Nutzungsrechte - stehen wir jederzeit gerne persönlich zur Verfügung. Und keine Sorge, wir weisen darauf hin, bevor Kosten für unsere Tätigkeit entstehen!

 

Zurück

nach oben
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden Mehr Infos