Bilderklau und der richtige Umgang damit – Nachlizenzierung vs. Abmahnung

(Lesezeit ca. 5 Minuten)

Ich habe bereits vor einigen Monaten im Rahmen des Artikels „Bild geklaut und nun?“ ein paar der wichtigsten Themen angesprochen, die man beachten sollte, wenn man ein geklautes Bild entdeckt. Der Artikel befasste sich mit den Vorarbeiten, die man erledigt haben sollte, bevor man auf den Verwender der Aufnahme zugeht (Sicherung der Beweise, etc.). Nun wollen wir einen Schritt weitergehen und sehen, wie man idealerweise gegenüber Bilderdieben vorgehen sollte. Hier sehe ich in der Praxis im Wesentlichen zwei unterschiedliche Ansätze, die ich nachfolgend kurz beschreiben möchte, bevor ich zu meiner persönlichen Empfehlung komme.

1. Die Abmahnung

Bei so einem bösen Wort als erste Alternative will mach eigentlich gleich reflexartig „Zweitens“ hinausschreien. Doch halten wir an der Stelle kurz die Emotionen zurück und sehen uns mal an, was das eigentlich ist, so eine Abmahnung.

Die Abmahnung ist vom Gesetzgeber selbst als das Mittel der Wahl im außergerichtlichen Vorgehen gegen Rechtsverletzer vorgesehen, schreibt er doch in § 97a UrhG

„(1) Der Verletzte soll den Verletzer vor Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens auf Unterlassung abmahnen und ihm Gelegenheit geben, den Streit durch Abgabe einer mit einer angemessenen Vertragsstrafe bewehrten Unterlassungsverpflichtung beizulegen.“ 

In der Regel beinhaltet eine Bilderklau-Abmahnung folgende Ansprüche:

· Unterlassungsanspruch: dieser beinhaltet die Entfernung der Aufnahme und Abgabe einer Unterlassungserklärung

· Auskunftsansprüche bezüglich des Umfangs der Bildnutzung (das macht zum Beispiel Sinn, wenn zu vermuten ist, dass es neben einer festgestellten Onlineverwendung auch noch gedruckte Vervielfältigungen geben könnte, an die man aber von selbst nicht rankommt)

· Anspruch auf Ersatz des durch die Verwendung entgangene Lizenzentgelts

· Anspruch auf Übernahme der Anwaltsgebühren, die dem Urheber für eine anwaltliche Abmahnung entstehen 

Die Abmahnung ist der sauberere Weg, auf dem sämtliche Ansprüche aus einer Rechtsverletzung beim Verwender geltend gemacht werden. Sie kommt nicht im schicken Gewand daher und spielt nicht vor, freundlicher zu sein, als sie es in der Praxis ist. Aber rechtliche gesehen, funktioniert sie.

2. Die Nachlizenzierung

Wieso denn nicht Bilderdiebe zu Kunden machen?

Getreu diesem Motto gibt es die durchaus legitime Möglichkeit, demjenigen, der Bilder ohne Lizenz verwendet, eine zu verkaufen.

Unter Nachlizenzierung versteht man landläufig allerdings jede Beilegung einer Bilderklau-Angelegenheit ohne Abmahnung. Man gibt dem Rechtsverletzer die Möglichkeit, die Sache rasch gegen Zahlung eines nachträglichen Lizenzentgeltes aus der Welt zu schaffen. Die Abgabe einer Unterlassungserklärung ist in der Regel hier kein Thema, sondern wird allenfalls für den Fall angedroht, dass der Verwender das Nachlizenzierungsangebot nicht annimmt. Dann blüht häufig eine Abmahnung.

Vergleicht man die beiden Möglichkeiten mal bis hierher miteinander, fällt rasch auf, dass die Nachlizenzierung ein „Weniger“ im Vergleich zur Abmahnung ist, die so alle Ansprüche auf einen Schlag geltend macht, die dem Fotografen zustehen. 

Nun spielen auch viele kommerzielle Anbieter von „Nachlizenzierungs-Diensten“ mit der eigentlich logischen Vermutung, dass ein Bilderdieb, wenn er mit einer Nachlizenzierung konfrontiert wird, dieses Entgegenkommen erkennt, zu schätzen weiß und daher dankend annimmt, in große Dankbarkeit verfällt und ohne zu murren zahlt. Eventuell wird aus ihm aufgrund seiner Zufriedenheit über die freundliche Abwicklung auch noch ein glücklicher zukünftiger Kunde. Ach ja, nicht zu vergessen: im Gegenteil zur Abmahnung begegnet man sich auf Augenhöhe! 

3. Fazit

Nun stellt sich die Frage, was ist denn der bessere Weg. Ich versuche, diesen Satz aus meinem Wortschatz zu verbannen, aber in diesem Fall muss er einfach sein:

„Das kommt drauf an.“

Ich bin mir absolut sicher, dass es nicht den „besseren“ Weg gibt. Vielmehr sollte man sich als Fotograf stets bewusst sein, dass es eben mehrere verschiedene Wege gibt, die man im Fall einer Rechtsverletzung beschreiten kann. Um herauszufinden, welcher Weg für welchen Fall der bessere ist, empfehle ich, zwei Dinge zu bedenken:

Wenn ich eine Nachlizenzierungsanfrage stelle und der Gegner ist ausgeschlafen, hat er die Möglichkeit, freiwillig eine Unterlassungserklärung abzugeben. Dadurch macht erledigt sich eine nachfolgende Abmahnung insoweit, als damit etwa die Möglichkeit wegfällt, danach entstehende Anwaltsgebühren auf den Gegner abzuwälzen. Gerade bei professionellen Rechteverwertern, zu denen ich auch den ein oder anderen Verlag oder manche Agentur zähle, habe ich dieses Vorgehen schon des Öfteren gesehen, wenn der Fotograf mit seiner nachträglich ausgestellten Rechnung und einer daraufhin abgegebenen Unterlassungserklärung in den Händen zu mir kommt. Hier verschiebt sich das Level der Augenhöhe, mit dem man recht ausgeglichen in die Nachlizenzanfrage gestartet ist, rasch zulasten des Fotografen...

Doch was passiert, wenn ich gleich die Abmahnkeule schwinge, wenn doch der Verwender sich im Nachhinein als feiner Kerl herausstellt, der gerne mein Kunde werden geworden wäre?

Rechtlich: gar nix.

Sicherlich kann es passieren (was ich persönlich für unwahrscheinlich halte), dass man einen Kunden verliert, wenn man abmahnt, obwohl es auch anders gegangen wäre.

Aber mal ehrlich, was ist schlimmer: Dass jemand, der Euch beklaut hat, Euch nicht leiden kann, weil Ihr direkt zur Abmahnung gegriffen habt, oder dass Euch jemand, der Euch beklaut hat, nach einer Nachlizenzierung die Hosen runterzieht und billig davonkommt? 

Nachdem ich mein Hintergrund eher ein rechtlicher ist, würde ich daher zumindest in Zweifelsfällen eher zur Abmahnung greifen. Stellt sich der Abgemahnte dann als feiner Kerl heraus, kann man die Zügel immer noch lockern und ihm entgegenkommen. Stellt sich ein zunächst unterstellter Feiner Kerl allerdings als nicht so feiner Kerl heraus, der auch noch taktisch richtig auf eine versuchte Nachlizenzierung reagiert, ist es mir hingegen unter Umständen nicht mehr möglich, einen Gang hochzuschalten.

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Erschienen in ProfiFoto 03/17

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